Wo ich’s grad merk: Schmerz macht unleidlich, wenn er sich nicht nur momentan entlädt, sondern sich in den Alltag einnistet. Bockig wird der Mensch, laviert herum ums Schmerzgekröse, verkrümmt an Haltung und Gemüt. „Würd ich meinem ärgsten Feind nicht gönnen“, behauptet er voll Sehnsucht, als würd ihm Mutter Pein den Ausweg lassen, das Päckchen anderen aufzubürden.

Kürzest werden die Gedanken: Wie von A nach B, möglichst nicht über Weh? Jeder Schlenker ist ein Zusatz an Mühsal, heut kein Schwung ins Fantastengeäst, Wechsel macht Knarz im Körpergebälk. Stöhnlaut, Burnout, Ausderhaut. So viel an Mordio wuchert aus schmerzlicher Zeter, mein Krampf, Hass ist der Orgasmus der Ungestreichelten.

Wahre Hingabe hingegen mündet in verschnurrtem Glücksgeräkel. Das braucht es hier im Ohwehwehweh für den Malträtierten von den empathischen Unversehrten: Medizinisches Schmusihuana, La Knutsch, Leckemäulchen, das feine Schmatzeratz. So streicheln wir uns Leben und Rücken wieder entzückend geschmeidig. Wir, gut für uns, und köstlich in der Welt, gern auch mit Reiben, Funkelaugen, wachem Streit, alles statt grimmer Gnatschnflatsch, spuckendem Hassndas und Atze Stöhnenhöhn. Da haben wir die Wahl, an jedem Tag. Und wählen, ja, das Schöne ins uns eben, da lacht der Ischias über den kleinen Schmerz. Und Hexenschluss.

Lieber Mitmensch,
jüngst hatte ich den schönsten Reflex meines Lebens, unbewusst trainiert womöglich durch meine Eigenart, im Blick auf das Entfernte bisweilen selbst über das Naheliegende zu pardauzen. Ich bin geschult im Überblickverlust. So lenkte ich durch den Verkehr Berlins, sah auf 12 Uhr den Radler an seiner roten Ampel vor uns zucken, wie er die Lücke im Fluß der gegenüberliegenden Straßenseite entdeckt und sie sogleich so sehr begehrt, dass er uns darob schlicht nicht wahrnimmt und stracks in die Pedale tritt. Nun sind wir – Gefährt, Gefährtin, Hunde, ich – bereits ganz auf der Höh des Lückenfüllers, der sich also rechterhand vor unserer Haube anschickt, sich auf dieselbe zu karriolen. Ich nun beschreibe einen Halbkreis (r/2) um ihn als Mittelpunkt (M) und nutze dabei passgenau die Lücke (X) im Gegenfluss, die ihn verlockte: Voilà, Reflex. Der Abstand zwischen seinem Pneu und unserem Grill betrug vielleicht eine Speichenlänge, seine Miene im Vorbeigleiten von urwüchsiger Überraschtheit, dass wir da sind, wo er Space wähnte. Das Alles draußen ohne Extraton: Kein Hupen, nicht ich, noch die Entgegenkommer, zu schnell das Ganze. Im Wagen nun ein Doppelfluch bei Radlers Start und, den Stundenmoment später, ein götterfunkendes Juchhei aus unseren Kehlen, als uns bewusst wurd, dass der Halbkreis vollendet und aller Leben unversehrt geblieben war.Noch zwei Tage danach kribbelten mir Glückspartikel in der Nase. Der Tag war sonnenklar, die Vögel sangen, die Sänger…so also der Tag, und mir stand der Sinn nach Reinigung. Ich selber hatt mich schon, ich meinte das Gefährt. Juchhei noch mal, dacht ich, fuhr also in das Entrèe der großen Waschanlage, um dort denn auch zu merken: Das Triptychon Übermut-Frühlingsluft-Fenster offen beinhaltet ein Element, das Vorab-Einweich-Wasserdüsen strafen. Ich hab gelacht, dass mir das Spüli bächleinweise über die Wangen rann und auch über die Backen. Seitdem nun wächst Seetang aus dem Tachometer und zeigt an, was ich bin: Ein lachender Tropf mit Glück in kleinem Kreise. 

Nur wenn ich lache. Mein Solo. Am Freitag in meinem geliebten Theater 509, Stollwerck Köln, Dreikönigenstr. 23, 26.04., 20.00 Uhr. Am 11.05. um 19.30 Uhr denn wieder daheim im Theater O-TonArt, Kulmer Str. 20A, 10783 Berlin, Karten über meine Mailadresse (auch auf der Website vom O-Ton). Und am Mittwoch, dem 15.05., als Bewerb um den Fränkischen Kabarettpreis, 20.00 Uhr, Stadthalle Arnstein, Cancale-Platz 6.

Dein Zeha Schmidtke, frisch gewaschen

Ach, quise. Was gäb ich drum, wenn’s Dich nicht gäb, den Selbstverkauf, das Trommelwerbeln. Meinen rechten Arm gäb ich, den linken noch dazu, ach was: gleich alle drei! Nun hab ich also einen neuen Text, der wo beschreibt, wie ich was auf der Bühne wem. Und der ist aber doch. Gelungen. Schmock mir, der ich wo bin. Viel Les beim Spasen.

Auf der Farbpalette wäre Zeha Schmidtke das LSD-Mattmetallic, gern genommen als Kontrapunkt zu Melanchölgrau & Vernumpftumbra.

Im Tierpark Friedrichsfelde hingegen, in dem er lange als Aushilfslemur kellnerte, stand auf dem Infotäfelchen: „Vorsicht, wankelmütige Spezies! Will gestreichelt werden, wirft aber mit eigenen Schläfenlappen.“

Auf der Bühne nun…hach! Steht Zeha Schmidtke mit Liebe & Schmackes auf der Seite der Defekten, der Unvollkommenen und der Knallschoten, seinesgleichen halt, wo soll er sonst auch hin, bei aller Freiheit. Und das soll nun Comedy? Sein gar oder Kabarett? „Sprengt die Grenzen des gewohnten Kabaretts, und das äußerst unterhaltsam“ schrieb jemand, der es eigentlich besser wissen müsste. Und das hilft ja auch nicht, ach, hätt ich es doch nie erwähnt.

Fassen wir also a) uns an und b) zusammen: So ist er eben, das Mensch, die Kronkörkin der Schöpfung. Zeha Schmidtke kann ihm gut leiden.

Menschen hingegen, die „Nur wenn ich lache“ nie anschauen, leiden irgendwann unweigerlich unter fauligem Atem, kreisrundem Haarausfall und großer Trauer (untenrum). Nur, dass es Dir mal einer gesacht hat.

Nur wenn ich lache. Kabarettsolo von und mit Zeha Schmidtke. Neufassung vom Frühling 2019. 100min plus Pause.

Nur wenn ich lache: Wahrung und Dichtheit über die Anderen, den Mops im Wolf und die wilde Poesie des Unberechenbaren. Komm gucken und schau mir zu, wie ich mich zum Affen mach, weil ich an den Menschen glaub. Angebot: Wer jetzt mehrere Karten kauft, zahlt nur eine Summe. Und wenn Du nicht kommst, weint dieses Kind (in seiner heutigen Form):


Nur wenn ich lache. Mein komisches Solo. Sa, 16.02.19, 19.30 Uhr, Theater O-TonArt, Kulmer Str. 20A, 10783 Berlin.

Oh, jetzt musst Du Dich aber beeilen mit der Kartenbestellung! Meine total selbstgemachte Vorverkaufsapp sagt mir gerade, dass es, Stand heute, nur noch drei Karten gibt. Morgen gibt es dann aus irgendeinem Grund wieder 9, und dann irgendwann 6 und… na, ja, die App ist ganz neu, ich lern noch, wie sie geht.

Ach, und übrigens: Alle wichtigen Berlinale-Menschen, wo herumcasten, kommen angeblich auch und ruhen sich bei mir vomz ganze Filme aus.

Nur wenn ich lache. Mein komisches Solo. Sa, 16.02.19, 19.30 Uhr, Theater O-TonArt, Kulmer Str. 20A, 10783 Berlin. Kartenbestellung: Klick hier und schreib mir.

Lieber Mitmensch,

bis diesen Freitag, genau drei Minuten vor Sechs: So lang hielt sich bei mir das Vorurteil, dass Menschen in Ballonseide per se nicht zum Ratgeber taugen. Noch um 17.54 Uhr war ich im Paketshop-Lotto-Späti meines Vertrauens und Kiezes Teil der Schlange, als die Bimmeltür mit einer Vehemenz aufgerissen wurde, die die Lebenszeit der Bimmeln hörbar verkürzte. Auftritt er, der Modeschmock, und er wird in weniger als zwei Momenten (gespoilert ist ja schon) mein 30 Jahre altes Ressentiment in Krümel bröseln.

Nun halt mal kurz, wirst du nun fragen, wie kommt man überhaupt auf diesen Quatsch? Der Rückschluss von Wams auf Geist? Schlimmes Tuch muss doch nicht von brackigem Gemüte zeugen, kann galantes Spiel mit Konvention und ihrem Bruch sein, Shabby Chic, heißer Shice. Ich aber reifte in schlichteren Zeiten vonz ohne Ironie der Schäbigkeit und hatte es so verinnerlicht:

Ballonseide diente uns zuvorderst, heiße Luft zu ummanteln, um ihren Auftrieb zu nutzen und Weidenkörbe in Wolkenhöhe zu heben. In die Körbe nun packten wir Menschen, die gern mal der Mehlschwalbe im Flug auf den Hinterkopf schauen wollten oder auf Erden eh nur im Wege standen. Bald aber passierte modisch Ungeheuerliches: Pärchen, die sich an Bord des himmelsfahrenden Korbs aneinanderklammern und lieben gelernt hatten, suchten nach uniformen Zeichen ihrer Verpartnerung. Sie vernähten die synthetische Schwesterfaser der Ballonseide, die trilobale Polyamidfilamente, zum schimmernden Partner-Jogger mit Baumwollinlay, von manchen Trägerinnen- und Trägerkörpern in ähnliche Rundungen gedehnt wie beim ursprünglich ballonesken Einsatz. Ach, wie leicht fiel uns anderen der Spott, uns leichtspöttelnden, individuell Naturfaserigen. Fröhlich ignorierten wir Beiträge solcherart Gewandeter; sollten sie doch innerhalb ihrer Partnerschaft beitragen! So fräste es sich mir in die modische Sozialisation.

Solcherart gedanklich verengt stehe ich nun also in der Schlange, mustere den Seidenmann, nehme den geschundenen Zustand seines natürlich gealterten, nicht vintagegetunten Trainingsanzugs zur Kenntnis – it’s more than a Peeling, würde hier ein wortspielfühliger Brite anmerken, wehmütig konstatierend, dass es wohl sein letztes Bonmot in trauter EU-Runde sein wird – sehe, dass er unter dem Jogger einen ebenfalls synthetischen Rolli trägt, dessen leichter Perlmuttschimmer an manchen Stellen von Eigelbflecken überlagert wird, derweil er uns perlenförmig aufgereihte Wartende ignoriert und lauthals durch den Raum schnarrt: „Wie hoch ist Hauptgewinn?“ Verstehend antwortet die Lotto-Matrone: „10 Millionen.“ Nun endlich nimmt er uns auch wahr, fleischgewordene Wartezeit. „Lohnt doch gar nicht!“ karriolt er kehrtwendend zurück, Tür wieder auf, zwei Schritt raus in die Mildwinterkälte, und die Bimmeln bammeln Abschiedsschmerz.

Seine Worte hingegen klingelten mir weiter im Gemütsstübchen: Manches Angebot ist einfach nur für den Überschlag gut, ob man nicht schon genug sein Eigen nennt. Und mancher Ort dient einfach nur der Erkenntnis, dass es uns an anderen Orten besser geht, ja, sogar gut, ja, scheiße eins, wir sind da sogar glücklich und merken es im Alltag, der ollen Stumpfmaschine, nurmehr in der Abkehr und im Vergleich.

Ich bin nun grad an einem solchen Ort. Seit Monaten, bis nächsten Freitag noch, nicht ausgesucht hab ich ihn mir. Als Maßnahme. Ich nehm den Rat vom Ballonmann und ziehe den Vergleich: Da liebe ich das, was ich sonst tu, mit jeder Synthetikfaser meines Herzens. Es lohnt sich, komm bitte schauen, ich brauch Dich jetzt.

Nur wenn ich lache. Mein komisches Solo. Sa, 16.02.19, 19.30 Uhr, Theater O-TonArt, Kulmer Str. 20A, 10783 Berlin. Etwas Neues zur Kartenbestellung: sie erfolgt nun über meine Mailadresse (auch auf der Website vom O-Ton).

Dein Zeha Schmidtke, in Bewegung