Lieber Mitmensch,

komm bitte, wenn ich geh. Ich nehme gleich doppelt Abschied: Von meinem Programm „Nur wenn ich lache“, erstens. Es wird mir ein Fest des Rausches und der Wehmut. Zugleich verabschiede ich mich auch vom Theater O-TonArt, meinen Berliner Lieblingsbrettern, die mir eine liebe Weile die komische Welt bedeuteten. Einmal noch also schmieg ich mich mit bester Absicht an die geliebte Bühne. Derniere heißt ja: Man hat den Zeitpunkt schwarz auf weiß, wann was den Geist aufgibt. Ein kleiner Tod, nur mit Termin. Komm, Freundin, Freund, wir geben das zusammen auf. Jetzt oder nie, das ist die Wahrheit. Hilf mir beim Winken, ich freue mich wie Bolle und trauere gleich himmelhoch.

Danach dann fahr ich ganz nach unten; da gibt es FKK und mit Martina Brandl. Ich hab noch gar nichts auszuziehen und sehe auf dem Weg noch Freunde,es wird also ein Fest. Dann danach gleich sputen und zurück; denn hier in B gibt es das Zebra Poetry Film Festival. Und da läuft „derunddie“, ein Kurzfilm mit Prolog, den ich wohl sprach, zu einem geometrischen Gedicht von Jandls Ernst. Angemessen wunderlich ist es geworden, das Filmchen fein, wie überhaupt so vieles aus der Produktionsstätte Klötzchenkino, so heißt sie nun mal, wir haben uns lieb und noch viel vor, auch gemeinsam. Ach, all die schönen Dinge, die da kommen. Ich sag Bescheid, jetzt erst mal das und reichlich, reichlich.

„Nur wenn ich lache“, Derniere am Samstag, dem 30.11., um 19.30 Uhr im Theater O-TonArt, Kulmer Str. 20A, 10783 Berlin, Karten über meine Mailadresse (auch auf der Website vom O-Ton).

FKK – Martina Brandls Fabrik Kabarett Klub. Donnerstag, 05.12.2019, 20. Uhr. Alte Fabrik Mühlhofen, Daisendorfer Str. 4, 88690 Uhldingen-Mühlhofen.

„derunddie“, Samstag, 07.12.19, 19.30 Uhr und Sonntag, 08.12, 14.30 Uhr auf dem Zebra Poetry Film Festival, KulturBrauerei, Schönhauser Allee 36, 10435 Berlin, Deutschland. Kommt nicht zu spät, es ist ein Kurzfilm.

In vorfreudiger Schwingung
Dein Zeha Schmidtke

Gibt es jemanden, der die sommerliche Sonnenpracht in das Farbenspiel des Herbstes wandeln kann? Ja, den gibt es. Aber der kann am Samstag nicht. Also mach ich es. Komm auch Du. Oder es regnet durch bis März.

Nur wenn ich lache. Samstag, Herbstbeginn, 21.09.2109, 19.30 Uhr. Theater O-TonArt, Kulmer Str. 20a., Berlin-Schöneberg (Nähe S-Yorckstr).

Lieber Mitmensch,

jüngst nun saß mir eine Fremde zur Seite. Wären wir auch ins Gespräch gekommen, wenn uns die Bierbank, das Kennenlernspiel unter den Freilicht-Sitzmöbeln, nicht dazu genötigt hätte? Kurz einkehren wollte ich nämlich, um auszutreten. Da nun aber die Fremde an dem einen und ich am anderen Ende der bebeinten Sitzplanke darniedersaß, warnte ich sie vor meinem Aufstand, auf dass nicht meine Seite, einer Wippe gleich, in die Höhe führe und sie mit der ihren zu Boden pardauzte. Nach meiner Rückkunft aus den sanitären Eingeweiden des Cafés vertieften wir unser Zusammenspiel, ich fühlte mich so frei, sie zu ihren virtuellen Weltgeräten zu befragen: Groß wie klein hatte sie sie in Gebrauch, sie aber gleichsam von keiner der Schutzfolien befreit. Die Kunstpellen schlugen bereits erste Bläschen auf den Displays und verpassten der digitalen Ansicht eine analoge Attitüde von grober Mischhaut. „Wenn es sich dann abgenutzt anfühlt und routiniert, dann mag ich es nicht mehr benutzen.“ Und ab da konnten wir nurmehr lachen (ohne nur): Wo doch das Leben uns offensichtlich beiderseits vor einer guten Weile die Schutzfolie von den Gehäusen geknibbelt hatte. Das Ding an sich verbraucht sich in der Welt, das war uns körperwarm bekannt. Die Kunst ist es, den Gebrauch zu genießen und also seine Spuren („Handglanz“ sagt der Japaner dazu, wahrscheinlich aber auf Japanisch). Und den Inhalt immer wieder ändern, dass er weiter für uns stimmt in der Veränderung, natürlich. Am nächsten Samstag tu ich das und spiele wieder alles anders. Ein paar neue Texte lese ich wohl auch. Wenn sie gut sind: sogar laut. Die Fremde wird zugegen sein.

Nur wenn ich lache. Samstag, 21.09.19, 19.30 Uhr. Mein Solo. Theater O-TonArt, Kulmer Str. 20A, 10783 Berlin-Schöneberg (S-Yorckstr.). Karten hier über mich (auf Antwort klicken) und auf der Website vom O-TonArt.

Dein Zeha Schmidtke

Wo ich’s grad merk: Schmerz macht unleidlich, wenn er sich nicht nur momentan entlädt, sondern sich in den Alltag einnistet. Bockig wird der Mensch, laviert herum ums Schmerzgekröse, verkrümmt an Haltung und Gemüt. „Würd ich meinem ärgsten Feind nicht gönnen“, behauptet er voll Sehnsucht, als würd ihm Mutter Pein den Ausweg lassen, das Päckchen anderen aufzubürden.

Kürzest werden die Gedanken: Wie von A nach B, möglichst nicht über Weh? Jeder Schlenker ist ein Zusatz an Mühsal, heut kein Schwung ins Fantastengeäst, Wechsel macht Knarz im Körpergebälk. Stöhnlaut, Burnout, Ausderhaut. So viel an Mordio wuchert aus schmerzlicher Zeter, mein Krampf, Hass ist der Orgasmus der Ungestreichelten.

Wahre Hingabe hingegen mündet in verschnurrtem Glücksgeräkel. Das braucht es hier im Ohwehwehweh für den Malträtierten von den empathischen Unversehrten: Medizinisches Schmusihuana, La Knutsch, Leckemäulchen, das feine Schmatzeratz. So streicheln wir uns Leben und Rücken wieder entzückend geschmeidig. Wir, gut für uns, und köstlich in der Welt, gern auch mit Reiben, Funkelaugen, wachem Streit, alles statt grimmer Gnatschnflatsch, spuckendem Hassndas und Atze Stöhnenhöhn. Da haben wir die Wahl, an jedem Tag. Und wählen, ja, das Schöne ins uns eben, da lacht der Ischias über den kleinen Schmerz. Und Hexenschluss.

Lieber Mitmensch,
jüngst hatte ich den schönsten Reflex meines Lebens, unbewusst trainiert womöglich durch meine Eigenart, im Blick auf das Entfernte bisweilen selbst über das Naheliegende zu pardauzen. Ich bin geschult im Überblickverlust. So lenkte ich durch den Verkehr Berlins, sah auf 12 Uhr den Radler an seiner roten Ampel vor uns zucken, wie er die Lücke im Fluß der gegenüberliegenden Straßenseite entdeckt und sie sogleich so sehr begehrt, dass er uns darob schlicht nicht wahrnimmt und stracks in die Pedale tritt. Nun sind wir – Gefährt, Gefährtin, Hunde, ich – bereits ganz auf der Höh des Lückenfüllers, der sich also rechterhand vor unserer Haube anschickt, sich auf dieselbe zu karriolen. Ich nun beschreibe einen Halbkreis (r/2) um ihn als Mittelpunkt (M) und nutze dabei passgenau die Lücke (X) im Gegenfluss, die ihn verlockte: Voilà, Reflex. Der Abstand zwischen seinem Pneu und unserem Grill betrug vielleicht eine Speichenlänge, seine Miene im Vorbeigleiten von urwüchsiger Überraschtheit, dass wir da sind, wo er Space wähnte. Das Alles draußen ohne Extraton: Kein Hupen, nicht ich, noch die Entgegenkommer, zu schnell das Ganze. Im Wagen nun ein Doppelfluch bei Radlers Start und, den Stundenmoment später, ein götterfunkendes Juchhei aus unseren Kehlen, als uns bewusst wurd, dass der Halbkreis vollendet und aller Leben unversehrt geblieben war.Noch zwei Tage danach kribbelten mir Glückspartikel in der Nase. Der Tag war sonnenklar, die Vögel sangen, die Sänger…so also der Tag, und mir stand der Sinn nach Reinigung. Ich selber hatt mich schon, ich meinte das Gefährt. Juchhei noch mal, dacht ich, fuhr also in das Entrèe der großen Waschanlage, um dort denn auch zu merken: Das Triptychon Übermut-Frühlingsluft-Fenster offen beinhaltet ein Element, das Vorab-Einweich-Wasserdüsen strafen. Ich hab gelacht, dass mir das Spüli bächleinweise über die Wangen rann und auch über die Backen. Seitdem nun wächst Seetang aus dem Tachometer und zeigt an, was ich bin: Ein lachender Tropf mit Glück in kleinem Kreise. 

Nur wenn ich lache. Mein Solo. Am Freitag in meinem geliebten Theater 509, Stollwerck Köln, Dreikönigenstr. 23, 26.04., 20.00 Uhr. Am 11.05. um 19.30 Uhr denn wieder daheim im Theater O-TonArt, Kulmer Str. 20A, 10783 Berlin, Karten über meine Mailadresse (auch auf der Website vom O-Ton). Und am Mittwoch, dem 15.05., als Bewerb um den Fränkischen Kabarettpreis, 20.00 Uhr, Stadthalle Arnstein, Cancale-Platz 6.

Dein Zeha Schmidtke, frisch gewaschen

Ach, quise. Was gäb ich drum, wenn’s Dich nicht gäb, den Selbstverkauf, das Trommelwerbeln. Meinen rechten Arm gäb ich, den linken noch dazu, ach was: gleich alle drei! Nun hab ich also einen neuen Text, der wo beschreibt, wie ich was auf der Bühne wem. Und der ist aber doch. Gelungen. Schmock mir, der ich wo bin. Viel Les beim Spasen.

Auf der Farbpalette wäre Zeha Schmidtke das LSD-Mattmetallic, gern genommen als Kontrapunkt zu Melanchölgrau & Vernumpftumbra.

Im Tierpark Friedrichsfelde hingegen, in dem er lange als Aushilfslemur kellnerte, stand auf dem Infotäfelchen: „Vorsicht, wankelmütige Spezies! Will gestreichelt werden, wirft aber mit eigenen Schläfenlappen.“

Auf der Bühne nun…hach! Steht Zeha Schmidtke mit Liebe & Schmackes auf der Seite der Defekten, der Unvollkommenen und der Knallschoten, seinesgleichen halt, wo soll er sonst auch hin, bei aller Freiheit. Und das soll nun Comedy? Sein gar oder Kabarett? „Sprengt die Grenzen des gewohnten Kabaretts, und das äußerst unterhaltsam“ schrieb jemand, der es eigentlich besser wissen müsste. Und das hilft ja auch nicht, ach, hätt ich es doch nie erwähnt.

Fassen wir also a) uns an und b) zusammen: So ist er eben, das Mensch, die Kronkörkin der Schöpfung. Zeha Schmidtke kann ihm gut leiden.

Menschen hingegen, die „Nur wenn ich lache“ nie anschauen, leiden irgendwann unweigerlich unter fauligem Atem, kreisrundem Haarausfall und großer Trauer (untenrum). Nur, dass es Dir mal einer gesacht hat.

Nur wenn ich lache. Kabarettsolo von und mit Zeha Schmidtke. Neufassung vom Frühling 2019. 100min plus Pause.

Nur wenn ich lache: Wahrung und Dichtheit über die Anderen, den Mops im Wolf und die wilde Poesie des Unberechenbaren. Komm gucken und schau mir zu, wie ich mich zum Affen mach, weil ich an den Menschen glaub. Angebot: Wer jetzt mehrere Karten kauft, zahlt nur eine Summe. Und wenn Du nicht kommst, weint dieses Kind (in seiner heutigen Form):


Nur wenn ich lache. Mein komisches Solo. Sa, 16.02.19, 19.30 Uhr, Theater O-TonArt, Kulmer Str. 20A, 10783 Berlin.