singsang

und manchmal bin ich grimmiger pimpf
und manchmal das klingende bäumchen
und früher in mir mehr trauriger schimpf
und später mehr freudiges schäumchen

 

da ich/du nun jedeR als insel sein soll’n
damit nicht so viele erkranken
da rudere ich also wieder zurück
auf’s eiland der eigenen schranken

und immer das träumen am tag und in klar
dass wir übersetzen und spielen
es wieder so wird wie es noch nicht war
vom eiland aufs heilland der vielen

 

ein stammeln ist das hier und ein gelall
unter’m fenster der menschlichen arten
minnegesang und kitschige qual
kann ich dicheuchuns kaum erwarten

Die Feiertagstelefonate

Ich wollte Dir nur alles Gute…
(lauscht)
Ja, danke, war schön. Und bei Euch?
(lauscht)
Na, siehste. Halt Dich tapfer. Ist halt diesmal alles anders.
(lauscht)
Nee, der ist da. Wie immer.
(lauscht)
Nee, wie denn? Ist aber für alle so. Ist die einzige Gerechtigkeit dabei.
(lauscht)
So machen wir das. Und wenn wir uns nicht mehr sprechen, (…)*: Guten Rutsch.

(Auflegen. Nächste.)

(…)* Hier fällt manchmal der Name des Gegenübers. Muss aber nicht.

Der Festfisch

Weihnachten gab es frischen Karpfen, aus Tradition. Der schwamm bereits seit ein paar Tagen in der Badewanne, damit wir uns mit ihm anfreunden konnten, bevor wir ihn aßen. Unser Omma bestand immer darauf, ihn eigenhändig umzubringen. Das habe sie ein Leben lang gemacht, und wenn diesmal nicht, da wär ihr das Fest der Liebe aber so richtig versaut… Omma also mit dem Messer ab in Bad. Nur war sie spirituell zwar boshaft für fünf Jugendliche, körperlich aber eben doch: Omma. Das hatte jetzt Konsequenzen für den Karpfen. Das war jetzt nicht mit einem schnellen Hieb für ihn vorbei.

Es wurde auch Jahr für Jahr spannender. Wer gewinnt diesmal? Omma wurd mit der Zeit dann doch ein bisschen zittrig. Da wusste man nicht: „“Omma – tötest du den Fisch noch? Oder schuppst du ihn schon ab?“ Meist glitt ihr der Fisch auch aus den Händen, klatschte auf die Fußbodenkacheln, robbte sich aus dem Badezimmer über den dunklen Flur in die Küche und schlug da seinen Kopf selber vor das Tischbein, einfach, um es hinter sich zu haben. Wir hatten dann bis zum Essen noch gute zwei Stunden, um diese Bilder aus dem Kopf zu bekommen.

Frohe Weihnachten.

Resümnee

Dieses Jahr ist bald vorbei
Und es brachte Scheißerei.
Geht es eigentlich noch schlimmer?
Pappenheimer, weißt du: Immer.

 

Denn es reicht nicht, dass es war
Nein, den Rückblick auf das Jahr
braucht’s. Von jeder Dödelfotz.
Zwölffach aufgewärmter Rotz.

 

Repetiert, ewig im Sinn
selbst nach sechs Krug Waschbenzin
Nichts vergessen, trotzdem blau
Zwanzigzwanzig, blöde Sau.

Und was ist deine Strategie in diesen Tagen?

Dieselbe, mit der ich auch Schach spiele: Ich zieh einen Bauern – mit etwas Glück auch einen meiner Farbe – denk dann über Erotik und Weltfrieden nach, schau nach einer Weile wieder aufs Brett und bin ein bisschen enttäuscht, dass es immer noch dieses zwanghafte Quadratmuster hat und keine Spiralen. Und warum schaut der Mensch auf der anderen Seite so bohrend tief auf die geschnitzten Figuren? War da ein Holzwurm in seiner Ahnenreihe? Die Kreatur im Spiel find ich allemal interessanter als ihre Absicht, unabhängig davon, ob es diese Trennung gibt. Bleib heil.

Geliebte Zitate: Artigkeiten

Du bist eigenartig.

Vor 30 Jahren war das ein Kompliment.

 

Vor 15 Jahren die Erklärung, warum ich trotzdem keinen Erfolg habe.

 

Heute ist es ein Vorwurf.

 

Und morgen dreht es sich wieder. Da wird es das Maß für Schönheit.

 

Genau: Morgen, am 3. November 2020, ab 14 Uhr 12.

Das kleine Königreich

Ich bin Königin Popelbart.
Ich wohn auf meinem Klo.
Und wenn es dir hier nicht gefällt
dann leck mich anderswo.
Und stets, wenn ich vom Thron aufsteh’
spricht es von unten heiser:
„O bitte, seile nichts mehr ab.“
Ich glaub, da spricht der Kaiser.

Früher war alles Düner

Museum Ahrenshoop ❤️ mit Regionalkunst. Die Dünen hatte ich flacher in Erinnerung. Alle Probleme mit meinem Navi hingegen sind passé: Ich finds irgendwie nicht mehr.

Ich seh da Ostseh

Ahrenshoop. ❤️ Jetzt mal was anderes: Wie ganz genau aktualisiert man eigentlich seine Navi-Software?

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