Das kleine Königreich

Ich bin Königin Popelbart.
Ich wohn auf meinem Klo.
Und wenn es dir hier nicht gefällt
dann leck mich anderswo.
Und stets, wenn ich vom Thron aufsteh’
spricht es von unten heiser:
„O bitte, seile nichts mehr ab.“
Ich glaub, da spricht der Kaiser.

Früher war alles Düner

Museum Ahrenshoop ❤️ mit Regionalkunst. Die Dünen hatte ich flacher in Erinnerung. Alle Probleme mit meinem Navi hingegen sind passé: Ich finds irgendwie nicht mehr.

Ich seh da Ostseh

Ahrenshoop. ❤️ Jetzt mal was anderes: Wie ganz genau aktualisiert man eigentlich seine Navi-Software?

Der solidarische Montagsgruß geht heute an das passende Wort zur rechten Zeit.

Wenn mich ein Buch verschlingt und ich es erfülle, beginnt es stets mit einer unerwarteten Übereinkunft, einem Schmiegen meiner Gegenwart an seinen Inhalt, womöglich in der Sache vorhanden, sicher aber von mir gesponnen, bekräftigt und weitergewoben.

Als spräche mir ein fremder Mitmensch, zufällig neben mir hockend, Wachheit, Erkennen und Schönheit zu, just als ich mein müdes Köpflein aufs Tresenholz bette. Obwohl er doch in eine andere Richtung murmelt. In einer Sprache, die ich nur gerade jetzt versteh.
Als Kind hat mich Jules Verne entführt. Nicht wegen seiner Sprache, ich las ihn eh auf Deutsch. Es war sein Strom an Fantasterei, den er so mühelos fließen ließ, und ich wollt von mir weg und so weit reisen. In jedem kleinen Beiwort Staunen, in jedem Bild die Schaffensfreude. Dann, jugendlich, voller innerlichem Stürmen und Tosen, entdeckte ich den Verne des Schizoiden: Philip K. Dick. Der noch auf jedes Schmierpapier Visionen von Visionen schrieb, derweil er sich wohl fragte, ob das wirklich seine Hand sei. Oder Papier. Die schiere Kraft des Zweifelns, von der ich mich allein zerrissen glaubte.
Wir trafen uns in vollem Galopp, Geschichten und Romane, die mich packten, beutelten und verändert verließen. Der „März“ von Heinar Kipphardt. „Laute Träume“ von Jonathan Carroll. Die Magischen Erzählungen von Leonora Carrington. Mannigfaltig andere. Manche lese ich erneut, und vieles ist noch da. Oder gar nichts. Oder ein bisschen. Es war, es ist das Ganze plus der Moment, freilich, was sonst.
Später, hierheute. Genau so, nur jetzt auch mit Essays. Ich liebe diesen: „Ein zweites Leben“ von François Jullien. Über die – wenn sie denn geschieht – beiläufige und allmähliche Entfaltung persönlicher Klarheit im Leben. It trifft my nail on the head of the moment. Kein Verbleib mehr im Lamento über Schäbigkeiten. Schnippifingernd hin zur nächsten Inspiration. Jubel jubel, freu freu, meine Empfehlung.

Die Hoffnungsdepesche vom August 2020

Lieber Mitmensch,

noch 5 Tage. Dann wird abgerechnet. Nix Jüngstes Gericht. Bundeszentrale für politische Bildung. Die gibts auch wirklich. Und sie veranstaltet einen Wettbewerb. Das Theaterstück „Lob des Unterschieds“ – in dem ich Ungläubiger einen Ungläubigen spiele, sobald wir wieder spielen können – nimmt teil. Als Teilnehmende haben wir natürlich schon gewonnen, Marzipan Marzipan Floskelpöpö. Und um wirklich zu gewinnen, brauchen wir Deine Stimme: Die kannst Du hier abgeben:  

Scrolle bitte, bis Du unser „Lob des Unterschieds“ findest. In der Kategorie „Mensch“. Das passt, so fühl ich mich ja auch oft. Und denn klickst Du auf das Ampelmännchen unter unserer Beschreibung. Bitte nur einmal, sonst geht Deine Stimme flöten. Danke schönst.

Und sonst? Singe ich mit allem, was ich habe, mein Mantra dieser Zeiten: Wer Systemrelevanz sagt, sagt auch, dass es Menschen gibt, die sie nicht haben. Der Virus ist da ein wenig wie Erbrechen: Es kommt nix hoch, das nicht vorher schon intus war. Die brodelnde Hefe Welt ist’s, in der ich leben mag, nicht die Selektion. Wir sind es, gemeinsam. Und ich freu mich ungemein auf unser Wiedersehen. Wilde Geborgenheit für uns alle.

Sei umarmt
Christoph Zeha Schmidtke

Geliebte Zitate: Donnerstagsgebet aus der Freiluftkirche des heiligen Diesseits

Wandel, ja, schönes Wort, sagt sich auch schnell, wird aber zum Krampf in der Kränkung: Hör zu System, wenn Du mich nicht relevant genug findest, dann lieb ich bald ein anderes, pöh. Weiche, satanische Systemrelewanze, dein Name ist Selektion. Drum sei Du kühn, spielender Mensch und singe fröhlich die Absichten aus: Schön will ich wirken, Freudvolles werken, Körper und Geist nähren, kosen, salben. Unser täglich Tänzlein geben wir uns heute. Dein Jauchzen erschalle, Kopieren erwünscht. Denn nur so wird es beginnen, das Schlendern in die Transformation: Ein allmählicher Übergang vom Mussja ins Liebendgern der Lebenswelt.

Hallojulius und Hosihanna!

Geleitert.

Ja, freilich, Evolution, die Älteren werden sich erinnern. Ist viel passiert, seitdem wir uns mit Knüppeln auf die Köpfe hauten. Aus Not und weil wir es nicht besser wussten. Raffiniert sind sie seitdem geworden, die Knüppel, manche sogar mit Abschaltknopf.

Aber ist das Vertrauen in unsereins denn mitgewachsen? Glauben wir fest an uns selbst, so ganz im Grunde unserer Herzensgrube? Dass wir all die neuen, schicken Possibills auch händeln können? Oder wähnen wir uns totgeweiht: Denn alles, was wir in die Hände nehmen, kracht letztlich doch als Knüppel auf fremde Fontanellen. Oder wir beim Gebrauch auf die eigene, doof bleibt doof, das wächst sich auch nicht raus?

Ich kann’s nicht sagen. Ich sehe nur:

Das hier ist die Gebrauchsanweisung. Für meine neue Stehleiter.

Soviel für heute zum Vertrauen.

Der solidarische Montagsgruß geht heute an den Fotografen Mario Schmitt.

Ein Klick bringt Dich zu seiner Website mit wundervoll weltweiten Ansichten.

Mario arbeitet als Fotograf. Einen Teil des Jahres arbeitet er in Würzburg und Deutschland; dann zieht es ihn als NGO-Fotograf und Veranstalter von Fotoworkshops und -reisen in die Welt. Seine Neugier auf das Gegenüber ist kraftvoll, aufmerksam und voller Teilhabe; ich habe selten so unbeschwert vor der Kamera sein können.

Wir haben uns auf einer gemeinsamen Autofahrt kennengelernt. Feines Gespräch, warmherziger Mensch, schöne Begegnung. Ich freu mich.

Und beim Shooting haben wir erlebt, dass das, was uns wichtig ist, auch hemdsärmelig wechseln kann.

Copyright & Kontakt: info(at)marioschmitt.com

Die Bundeszentrale für politische Bildung möchte, dass Du wählst. Uns (füge ich als persönlichen Wunschaspekt hinzu).

Uns meint hier: Lob des Unterschieds. Das fröhliche Stücklein rund um die heiligen Schriften von Christentum, Islam und Judentum, garniert mit knackigen Humanismussplittern, präsentiert in einer Mousse aus Theater, Improvisation und Musik.

Wir haben es in das Finale zum Einheitspreis 2020 geschafft. In die Rubrik "Mensch". Und so fühl ich mich ja oft auch. Nun entscheidest Du. Wenn Du dort auf das Ampelmännchen und im Anschluss unser Projekt klickst. Ist ein bissi mit Suchen verbunden. Aber Bildung ist ja immer auch Arbeit. Und es bereitet Freude, dort zu stöbern.

Nun, Mitmensch, wähl, als gäbe es kein Online-Morgen.

Der solidarische Montagsgruß geht heute an die Bundeszentrale für Politische Bildung und die all Mitmenschen der ausgewählten Projekte zum Einheitspreis 2020.

Zeit, verspielt.

Freilich hat mein Leben auch Stressizismen:

Die Speis' kann welken, der Trank, er prickelt aus.

Nach

„Was hätte es alles werden können. Wenn nur ein paar wildentschlossene Freudenmenschen mitgestaltet hätten.“ Er wurd schon leiser: „Und nicht unsere müden Kaufmannsseelen einfach weitergemacht.“

„Ja, was denn? Was denn genau?“ nagelte ihr Widerborst zurück, der in solchen Momenten übernahm.

„Werden wir nicht erfahren“, marmelte es saftlos aus ihm, während er zum Ausgang blickte. Der ja auch nur auf einen weiteren Flur führte.

Herzensmensch

Die Glocken hüpfen bimmelnd in der Luft, als er die Tür unter ihnen aufschwingt. Und noch einmal und wieder. Weit kommt er nicht nach draußen, der Klang, der Vorhang an Nässe schluckt ihn schon an der Schwelle. Regenluft duftet in den Laden. Einmal noch Schwingen und Klingen – nicht, dass er die dünnen Klöppel gerade jetzt in den Bruch getestet hat. Sie bimmeln wach und aufgeregt.

Mehr kann er nicht tun. Er ist so müd wie noch nie. Als sie alle zuhause bleiben mussten, da war er auch in den Laden gegangen, jeden Tag. Zum Trotze. Keiner hatte es mokiert, es gab auch keinen simpleren Ort der Isolation. Niemand kam zu ihm, niemand wollte, freilich zu den anderen auch nicht, aber die Abwesenheit von Neid ist ja noch keine Rettung. Für ihn und seinen Ort, der nur Sinn machte, wenn man ihn benutzte, und der nur kostete, wenn zu wenige kamen. Und es kam keiner, keine, nicht ein Schwein, weil es ihnen ähnlich erging, was hilft ihm das, er ist allein, und wer es jetzt ist, der wird es lange bleiben, die arme Sau.

Seine erste Freude über die Pause in der Welt, so unglaublich weit zurück. Am Anfang und, manchmal noch, inmitten der Kalenderlosigkeit der isolierten Tage, hatte es eine Freiheit gehabt, sich nicht veräußern zu müssen, nichts niemandem nirgendwohin, dass es in ihm jubelte und streckte. Ein Fenster der Muße, ein Balsam, ein Freispiel. Es hätte so bleiben können, bitte bitte. Nein, er war kein Träumer, schon lange nicht. Und seine Vermieterin sicher nie. Und dann die Wucht, der Unglaube, wie schnell sich sein Fundament verflüssigt. Die Ohnmacht, dass wirklich niemand auch nur etwas an Verbindlichem wusste, auch nicht die, die es zu wissen hatten. Der Hass auf sie, trotzdem. Telefonieren, warten, reden, sich vertrösten lassen, Anträge stellen, fragen, warten, ja, wie alle, wie alle anderen, auch die, die nicht mehr zu ihm kamen. Das schwammige Schuldgefühl auch, dass er und alle, dass wir es nicht längst gerichtet hatten, mit der Gerechtigkeit in der Welt, als noch alle Zeit dafür war. Es war ja nicht so, dass sie träge gewesen waren in den fetten Jahren, im Gegenteil, stets im Flow, sich sorgend, dass die eigenen Dinge sichtbar blieben, in der persönlichen Nische des Handels, selbstgegraben.

Eine Wertschätzung hatte er, hatte er immer gedacht. In der Welt, für sich und seine Dinge. Allein dafür, dass er so einen Ort geschaffen hatte. Dass er seine Dinge wirklich liebte, die er hier feilbot. Bei allen Kompromissen, die er vorher schon eingegangen war, Umstände in Kauf nahm, die er die nicht weniger zumutbar waren als das, was jetzt widerfuhr. Für die Dinge, für seine Liebe, für die Wertschätzung und die Krümel, die vom Tische fielen und manchmal auch reichlich. Aber all das, das Vorher, das war freiwillig gewesen. Und das Freiwillige des Zwangs machte den Unterschied.

Nicht mal von seinem speziellen Ding wollt er zuletzt noch sprechen, nurmehr vom Wert im Großen, Ganzen. So wie er nicht mehr an den Wertschatz glaubte, so musste doch der Glauben wiederkehren. Ohne – da würden sie alle schrumpfen, auch wenn sich alles wieder öffnete. Er sprach über das Ding an sich in seinem heilig Geiste. Und dann war doch ein Geld gekommen, ein Irgendwas. Eine Wertstellung, plötzlich Zahl auf dem Konto, für Miete und drei Tage. Und immer noch wusste es keiner, wie lang, und es kam noch immer niemand her, wie lang auch immer, bange lang.

Und da war so viel Wut über das Falsche. Und soviel Hitze über die vertane Chance, die vor ihnen lag und fast schon wieder hinter, weil alles neu anlief auf allen alten Wegen. Er trat über die Schwelle in die noch feuchte Aura Welt und spürte seine Wahrheit kommen. In ihm stieg sie auf, aus der Finsternis des Unteren, wie der mächtige Gasfurz eines nervösen Geysirs in der Tiefsee, so drückt sie nach oben, hinaus, hinaus, hinaus aus ihm. Und da ist sie. Doch kein Grollen der Natur, sondern das panische Gezeter eines Spätzchens in der Vogelschlinge, in Flatterhaft, so gellend hoch sein Stimmchen nun wie nie: „Mein ängstlich Herz! Es schlägt mich tot!“

Und ein paar Menschen hören ihn, sie sind ja wieder da, weil es sich doch gelockert hat, und einer schaut ihn an, von vorn, so nah und dicht und gibt ihm Geld bar in die Hand und sagt: „Stimmt so. Und Zuversicht.“

Und er schaut nahe und zurück und gibt dem anderen ein Ding. Und sie erkannten einander. Denn das ist die Hoffnung, unbezahlbar, aber manchmal schon und immer bis zum Schluss.

Zen.

Wie mit dem Virus: 1. Es ist, was es ist. 2. Nicht persönlich nehmen.

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