Heute vor genau einem Jahr starb mein Hundchen. Am Morgen entsorgte ich nun die kleine Gedenkfigur, die doch bloß den Todestag konservierte. Das wird uns nicht gerecht; in mir funkeln die Erinnerungen an unsere gemeinsamen Lebenstage. Da galoppiert und schnobert und bellt es, es trippelt und fiepst hinter der Tür, ich am Schreibtisch, er darunter, schnarchend auf meinem Fuße, seine Gänge auf die Bühne, er hat das Publikum sofort. Die Zeiten, in denen er mich unter der fetten Tante Depri hervorzog. Die Zeiten, in denen er sich von mir helfen ließ. All dieses gemeinsame Leben in seinem präsenten Präteritum. Irgendwann werden die Details blasser und weniger werden, die Zeit wäscht mit sanftem Nieselregen noch alles aus.

Vor 16 Jahren, am 23.11., kam Urby zum mir. Dieser Tag ist unser Feiertag.

Kind von jüdischen Stasi-Offizieren versteckt sich in 2.-Weltkriegs-U-Boot und beschließt dort, zu trommeln und nicht mehr zu wachsen, bis der Versailler Vertrag neu verhandelt wird. Familie wandert gegen Ende nach Afrika aus.

(Netflix-Pitching für mein baldiges deutsches Oscar-Gewinner-Drehbuch)

Der Urgroßvater mütterlicherseits war wiederum ein geborener Mosch, von denen später Ernst (ja, wir sind verwandt, gleichwohl ich ihn nicht persönlich kenne) als Volksmusiker populär wurde. Das Internet verrät mir, dass er vorab als begnadeter Free-Jazzer wirkte. Andere Sphäre, einsam und unwirt(schaft)lich, irgendwann vrwurstete er das jazzig Freie dann zum Original Oberkrainer; fortan klingelte die Kasse.

Für uns alle gilt eben das, was Bob Ross schon bei der Wahl einer Farbtube wusste:

Zwischen den Jahren lernte ich allerhand Neues über die  Vorfahren mütterlicherseits (die Vaterseite hat kurz vor meiner Geburt ganz abgesagt). Früher waren wir viele. Allein die Großeltern hatten 13 Geschwister. Meine Sippe könnte Wimmelbilder füllen; ich kenne kaum eine Handvoll. Weltkrieg Zwei hat die Gemeinschaft versprengt. Der Mann mit Bart ist mein Urgroßvater, er wurde seinerzeit portraitiert als ältester Bergmann Schlesiens. 

Möge es uns gut ergehen im Neuen Jahr. Auf dass wir allmählich wieder Gemeinschaft werden.