Der letzte Tag im Herzen der falschen Idee, in der Maßnahme des Jobcenters, und wir sangen ein angemessenes Abschiedslied: Von der Möglichkeit, ebensolches zu beenden, indem wir Idee des bedingungslosen Grundeinkommens in die Tat umsetzen. Dass eine Idee niemals die soziale, spirituelle, ethische eierlegende Wollmilchsau sein, wohl aber Druck von verängstigten Gemütern nehmen kann. Vom Fluss des Geldes sprachen wir, vom Wert des sinnlichen und sinnvollen Tuns, von Güldenen Thronen und schließlich über ein Menschenbild, laut dem der Mensch als träges Tier nur mit Zwang zum Gemeinschaftlichen zu bewegen ist – gemalt von Kreaturen, die mit „gemeinschaftlich“ nur die freudlose, schlecht bezahlte Arbeit des Billiglohnsektors meinen, von der nur sie profitieren, und mit „Mensch“ nur den Anderen und niemals sich selbst.
Dann war das Seminar zu Ende und die Maßnahme für mich auch. Lobet die Subversion und singe das Lied des Grundeinkommens. Und sei auf der Hut vor den Kreaturen.

„Wie Sie sehen, schicke ich Ihnen eine Mail von Ihrer eigenen Adresse. Ich habe Ihr Konto gehackt, ohne dass es Ihr Virenprogramm registiert. Dazu habe ich auch Ihren Computer gehackt und über seine Kamera ein Video von Ihnen aufgenommen. In einem Splitscreen sieht man links, welchen Pornofilm Sie online schauen, und rechts, was Sie dabei tun. Da ich auch alle Ihre Kontakte gehackt habe, werde ich diesen Film an jede Ihrer Adressen verschicken, wenn Sie nicht sofort Geld überweisen.“ *

Ja, nun. Wenn doch selbst der Bundestag… kann man nix machen. Und für Dich ist der Schrecken sicherlich geringer, wenn Du es schon vorher weißt:
Es war „Honig im Kopf“. Und ich trage dabei meine Lieblingsmaske aus dem Dschungelbuch.

*Eine Mail mit diesem Inhalt habe ich tatsächlich jüngst bekommen. Und dann noch eine und noch eine.

Lieber Mitmensch,

„Heja Zamza, hejo Zamzo, schön ist es in Zamzibar“ – so juchzte ich hüpfend, letztwöchig donnerstags, über das Kopfsteinpflaster des Neuruppiner Rathausplatzes. Denn erstens war zu spätslawischen Zeiten der Stamm der Zamzizi ebendort die dominante Mishpoke, und zweitens hatte es noch 90 Minuten bis zum Gastspiel unserer inter- und areligiösen Ensembleaufführung „Lob des Unterschieds“. Hervor ist es nie verkehrt, sich mit den Eingeborenen zu verschwestern und -brüdern. Drum von mir auch kein Wort darüber, dass der Namenswechsel an sich – Neuruppin statt Zamzizi – auf der Skala der Aussprechfreude einen Kurseinbruch darstellt. 
 
Freundlich also war der Empfang für uns vier Lobende. Es endete, wie stets, mit einer regen Diskussion über Glauben, Wissen und das Brackwasser ihrer Mischgestade. Diesmal nun aber hatte es, nebst Prachtexemplaren an un-, leicht- und schwergläubigen Zamzizitinnen und -ziten, einen Menschenschlag in die Aufführung gelockt, der sich selten so unverblümt zu erkennen gibt: 
Den Missionar, bekannt einst nur aus Kirchenfunk und Kirchenfernsehen, daneben, parallel, heut mehr und mehr in weltlichen Gewändern, im www, in Künsten, Wirtschaft, Politik das Einziggute predigend. Zurück zu unserem Exemplar: Ob er, frug ich, auch mir gegenüber eine missionarische Dienstpflicht verspürte, sprich: jedem Fremdem, von dem er nur wüsste, dass er seinen Glauben nicht teilt, per se einen Mangel unterstellt. „Da ich dieses wunderbare Geschenk des Glaubens in mir trage  – und damit so viel mehr besitze als Sie – würde ich, wenn es sich ergäbe, natürlich versuchen, auch Sie zu bereichern.“ 
 
Da war ich baff. Da hat er recht. Das haben sie alle. Ich hab das nicht. Wenn ich mich zeig, ganz und gebrochen, so wie ich bin, als Brocken Mensch und auf der Bühne, da hab ich nichts zu offerieren, was mehr aus mir macht, im Vergleich zu Dir, dem Anderen. Nur eben anderes. Dass Komik wohl den Funken schlagen kann, die Welt kurz zu beleuchten, einen winzigen Teil, manch Winkel, Ablauf, Einerlei, dass er uns plötzlich wieder wach vor Augen steht als etwas neu Bedenkliches oder als Nichts. Und das geht nur, wenn wir dran glauben, dass uns das Miteinander wandelt. Und nicht ich Dich oder Du mich, je nachdem, wer sich als erster auf die Missionarsstellung bewarb. Dann kann man’s gleich auch lassen. Kurz: Ich glaube an das kosmische Gelächter. Komik ist die Geschmeidigkeit der Welt. Ohne wird’s ein Splittern und ein Brechen. 
Vielleicht auch mit. Aber ohne bestimmt.       
 
Nur wenn ich lache. Mein komisches Solo. Als Gast die ganz und gar wunderbare Anja Schöler. Fr, 14.12.18, 19.30 Uhr, Theater O-TonArt, Kulmer Str. 20A, 10783 Berlin. Karten unter 030 – 37 44 78 12.
 
Dein Zeha Schmidtke, ernsthaft lachhaft
 
P.S. Den leibhaftigen Missionar wollt ich zur Anregung zitieren und gleichsam als Person nicht preisgeben.
P.P.S. Einen der wohlmundendsten Satzfundstücke meiner Neuruppiner Schmökereien möcht ich Dir zum Selbstlautsprechen anempfehlen. Schönstenfalls skandierst Du ihn aus dem geöffneten Schlafzimmerfenster heraus lustig in das Weltenrund, gern natürlich auch als jederzeitiger Wortbeitrag in Stadtführungen, Power-Point-Präsentationen oder Predigten: 
 
Ob der Stamm der Zamzizi mit dem Stamme der Zemzizi identisch war, ist ungewiss.

Schaute zwischen „48 Seiten mit aktuellen Singles“ und „Bauer sucht Frau – das Magazin“ aus den Regal. Dachte, das hieße „Geile Großverdienerinnen“, und ich könnt mir eine für meine Rente suchen. Menno.