Immer öfter ertappte sich Inga, wie sie panisch nach Hause hastete, nur, weil sie sich nicht erinnern konnte, ob sie alle Herdplatten ausgeschaltet hatte. Ja, nicht einmal, ob sie überhaupt einen Herd hatte. Oder ein Hause.

Womöglich ist es ja wirklich so, dass unsere Stadtplaner in den heutigen Städten knapp über der Einwohner-Großstadtmarke genau noch einen Deut tatsächlichen Handlungsspielraums haben, wenn sie den Kern ihres arbeitgebenden Ortes neugestalten. War ich also wieder in meiner Geburtsstadt Recklinghausen, Heim der Ruhrfestspiele, darunterhinaus beispielhafte Stätte für die Baukastengestaltung moderner Einkaufspassagen:
Tchibo-Filiale, nebenan der Drogeriemarkt, fürs Mediterrane zwei Marktplatzpalmen vor der Eisdiele „La Cozze di Murano“, dazu diverse Schnickschnackkrämer in den Auspreisungen Alles-Ein-Euro bis Individuelle Geschenkideen, dazwischen die Buden sämtlicher Mobilfunkvertreter, ihre Werbeschriftzüge auf die Jahrhundertwenden-Hausfassaden gerotzt, dass es mir die Fremdscham auf die Wangen und die Abrissbirne in die Sehnsucht treibt.
Noch je eine alteingesessene Schmuck-, eine Mode- und eine Tabakboutique, weil: die waren schon immer hier, wär ja auch schade. Sollte die lokale Millionärsgattin an Lungenkrebs verscheiden, wird’s auch für die drei knapp mit dem Überleben.
Hart am Rande und doch alles überragend das neue künstliche Herz aus Spannbeton, Glas und Stahl, die architektonische Entsprechung bösartiger Gewebewucherung: Das Multiplex-Warensilo namens Tralala-Arkaden, Centro-Setzen-Sie-Hier-Ihren-Stadtnamen-ein oder Palais Soundso, ein gewaltiges verschachteltes Schandvieleck, seine Katakomben zugestopft mit jedem Lädchen, Schnäppchen und Häppchen, das es früher verteilt über die ganze Innenstadt gab, nur eben jetzt hier mit Alles und Scharf, mit längeren Öffnungszeiten, höherer Pacht und viel mehr Kunstlicht.
Ach ja, der Spielraum des Stadtplaners: Wähle ich ein kreisförmiges oder ein rechteckiges Muster für die Auslage der Pflastersteine auf dem Marktplatz vor dem Café?
Da sitzen dann wir, in bunten Blusen oder schwarzen Unterhemdem über gleichbunten Tattoos, ruhen einen kleinen Cappuccino aus vom sonstigen Warenerwerb, für den wir alle hier sind, was auch sonst, es gibt nix anderes mehr. Manchmal fahren wir auch in die Nachbarstadt, weil es da einen anderen Textilgroßanbieter hat. Da denken wir dann: Ich muss wohl schon einmal gelebt haben und seinerzeit hier. Weil ich sofort weiß, wo alles ist.
Wenn Du mich fragst, Freundin, Nachbar, spielender Mitmensch: Das wird nicht leicht, uns diese Gründe zurückzuerobern.

1x Ziehen: Gute Fee erscheint.
2x Ziehen: Schlechte Fee erscheint und mischt die gute auf.
3x Ziehen: Ast bricht ab. Gute und Schlechte Fee mischen dich auf – auf die Art, die selbst dir keinen Spaß macht.

Ihr erinnert Euch: Ein unschuldiges Lamm hatte ich angehobbelt; sein Schreien lockte die Bestie in die Falle. Eine friedliche Weile nun träumte sie ihre dunklen Träume von Blut und Holzspielzeug hinter der Barriere. Doch, oh Graus! Was fand ich heute morgen vor? Jemand hatte das magische Absperrband gelöst und dem Unheil erneuten Lauf gelassen. Lauft, Nachbarn, lauft! Denn es ist wahr:
ANNIKA, DIE BÖSE DIPLOM-KINDERGÄRTNERIN, IST WIEDER FREI!

Wer auf Kaffeebohnen schläft, spart das Körnerkissen, duftet am Hinterkopf (würzig-schokoladig, mit einem Hauch von Zimt und Yamswurzel) und träumt davon, so wach zu sein als nie zuvor.