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Die Nachricht, dass N. gestorben war, vernebelte mir den Heimweg. Klar sah ich erst wieder, als ich bereits die Treppe heruntergefallen war.

Der Tod ist ein Teil des Lebens. Nebulös bin nur ich. Denk an die Toten und leb aufmerksam weiter.

P.S.
Die augenblicklich komfortabelste Ruheposition für meine lädierte Gliedmaße verstehen Sitznachbarn erschreckend oft als Herausforderung zum Armdrücken.

Am Anfang war der Zettel.

Phillip K. Dick schrieb paranoide Geschichten über fluide Realitäten. Keine seiner Figuren konnte sich je sicher sein, dass ihre Existenz eine authentische war – sie selbst vielleicht nur eine Maschine, die von ihrer eigenen Künstlichkeit nichts weiß, damit sie glaubhaft ist. In anderen Geschichten war der Mensch echt, seine Umwelt hingegen löste sich in ihre Konstruktionsteile auf: Da, wo eben noch der Kiosk stand, lag Momente später nurmehr ein Zettel mit der Aufschrift „Kiosk“.

Daran musste ich irgendwie gerade denken.

Berlin-Schwarzahn

Meine Zahnärztin kann ich wärmstens empfehlen – wenngleich einige Wartende flohen, als sie, leise kichernd, den großen, schwarzen Aua-Zahn zwischen uns ins Zimmer stellte.

Lebenstag.

Heute vor genau einem Jahr starb mein Hundchen. Am Morgen entsorgte ich nun die kleine Gedenkfigur, die doch bloß den Todestag konservierte. Das wird uns nicht gerecht; in mir funkeln die Erinnerungen an unsere gemeinsamen Lebenstage. Da galoppiert und schnobert und bellt es, es trippelt und fiepst hinter der Tür, ich am Schreibtisch, er darunter, schnarchend auf meinem Fuße, seine Gänge auf die Bühne, er hat das Publikum sofort. Die Zeiten, in denen er mich unter der fetten Tante Depri hervorzog. Die Zeiten, in denen er sich von mir helfen ließ. All dieses gemeinsame Leben in seinem präsenten Präteritum. Irgendwann werden die Details blasser und weniger werden, die Zeit wäscht mit sanftem Nieselregen noch alles aus.

Vor 16 Jahren, am 23.11., kam Urby zum mir. Dieser Tag ist unser Feiertag.

Es werde Licht.

Ein High-Tech-House erlebt stete Neuerung. Jüngste Bereicherung (nach dem sich selbst auffüllenden Regenwasser-Indoor-Pool): Wenn ich mein Elektroauto in der Wohnung parke, liegt, verbraucherfreundlich am Eingang platziert, gleich das passende Starkstromkabel bereit. Zusätzlicher Synergieeffekt: Wer nachts drauftritt, leuchtet im Dunkeln. Clever! Hier ist auch gleich eine Langzeitlösung für die fragile Flurbeleuchtung verbaut worden. Schlag für Schlag gestaltet gestaltet hier ein moderner, junger Hausbesitzer (nennen wir ihn „Monsieur 100.000 Volt“) seine Wohnweltvision. Mit wird schon ganz kribbelig: In welch energetische Zukunft wird uns diese innovative Modulbauweise mit offenenen Wasserflächen und sich freiheitlich herumschlängelnden Starkstromkabeln wohl noch bringen?

P.S. Falls Du mir noch etwas zu sagen hast…tu es lieber jetzt.

NOked /Nacknich

Sicher haben wir noch weitere Probleme auf der Welt. Aber das größte ist immerhin behoben: DER DÜNNE MANN VOR DER ZEISS-GROßSTERNWARTE IST ENDLICH NICHT MEHR NACKIG. Danke, Sittenwi…wacht.

La Isla Miethausa

Es gibt ja fantasielose und einfältige Menschen, die an das Wohnen lediglich so profane Wünsche knüpfen wie: Schutz,  Wände & Dach ohne Löcher oder gar „nein, ich will nicht in meinem Wohnzimmer ertrinken“. Diesem muffeligen Spießer*x-tum rufen wir von der Floating Senefeldi frohgemut zu: 

Wir leben den feuchten Traum: Wohnen ganz nah am Wasser! Forget Niagara – enjoy our Regenrinnen-Rostlöcher! Ihr habt doch keinen blassen Schimmel, wie schön es hier ist!

Ein Monarch wo Bescheid hat

Mein Hund ist tot.

Acht Zwinger schauen kreisförmig zur Mitte; in der steh ich vor beinahe sechzehn Jahren und seh, wie sich ein Boxer in den Arm der Pflegerin verbeisst und einen endlos langen Augenblick von ihr herabhängt wie ein 50-Pfund-Geschwür. Die anderen bellen wie blöde und noch mehr, Aufregung ist hier drin rasender Virus. Nur einer steht da stumm auf Sichelbeinen, ein Ohr geknickt, das andere oben, und schaut mich an und schaut. Und als ich rausgehe aus dem größten Tierheim in Europa, da geht’s der Pflegerin auch wieder. Und ich hab einen Hund (den Namen „Urby“ gibt’s dazu).

Kein Mensch ist er und wendet sich mit solcher Hingabe mir zu, selbst, wenn meine fette Tante Depri zu Besuch ist und sich darniederhockt, mir aufs Gesicht, dann fiepst er eben gar so lang, bis ich ihn wieder hören kann und hochkomme. Bei meinen Auftritten tapst er gelegentlich aus unserer Garderobe auf die Bühne, dann gehört der Abend ihm. Die Leute fragen mich: „Wie machen Sie das nur, dass er genau dann, wenn es passt, von ganz allein erscheint?“ Jetzt kann ich es ja sagen: Er passte immer, jeden Augenblick.

Wir hatten so, so viele Tage, die so schön waren, und er starb an keinem von ihnen. Der eine Samstag jetzt, an dem er es tat, bricht mich entzwei. Der Tod ist eine Sauerei für die, die lebend zurückbleiben. Die Trauerfeier findet täglich statt, in Natia und in mir. Und auf Beschwichtigungen steht die Todesstrafe.

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