und manchmal bin ich grimmiger pimpf
und manchmal das klingende bäumchen
und früher in mir mehr trauriger schimpf
und später mehr freudiges schäumchen

 

da ich/du nun jedeR als insel sein soll’n
damit nicht so viele erkranken
da rudere ich also wieder zurück
auf’s eiland der eigenen schranken

und immer das träumen am tag und in klar
dass wir übersetzen und spielen
es wieder so wird wie es noch nicht war
vom eiland aufs heilland der vielen

 

ein stammeln ist das hier und ein gelall
unter’m fenster der menschlichen arten
minnegesang und kitschige qual
kann ich dicheuchuns kaum erwarten

Dieses Jahr ist bald vorbei
Und es brachte Scheißerei.
Geht es eigentlich noch schlimmer?
Pappenheimer, weißt du: Immer.

 

Denn es reicht nicht, dass es war
Nein, den Rückblick auf das Jahr
braucht’s. Von jeder Dödelfotz.
Zwölffach aufgewärmter Rotz.

 

Repetiert, ewig im Sinn
selbst nach sechs Krug Waschbenzin
Nichts vergessen, trotzdem blau
Zwanzigzwanzig, blöde Sau.

Ich bin Königin Popelbart.
Ich wohn auf meinem Klo.
Und wenn es dir hier nicht gefällt
dann leck mich anderswo.
Und stets, wenn ich vom Thron aufsteh’
spricht es von unten heiser:
„O bitte, seile nichts mehr ab.“
Ich glaub, da spricht der Kaiser.

Der Schlaf kommt wieder nicht zu mir
drum gehe ich. Zur Küchentür
an deren Rahmen ich sie find:
Die Wachstumsstriche für das Kind.
Einmal pro Vierteljahr mach neu
Auf dass sein Wachstum ihn erfreu.
Mich selber lässt die Küche kalt.
Ich weiß, wie Größe geht. Bin alt.

Doch heute Nacht, am -zigsten Tag
Gefangenschaft im Haus mit Blag
da jucken mich die Striche doch.
die letzen zweiundfünfzig Woch’
radier ich aus. Strichel sie neu.
Und so, dass ich mich auch mal freu
Setz jeden winzig höher an
das lässt den jüngsten, höchsten dann
ein Stück über dem Echten stehn
(würd man den Echten jetzt noch sehen).

Tag -zig plus ein. Nun komm, mein Kind,
wir wollen dich messen, komm geschwind.
Oh, sieh doch, schau doch, kann das sein!
Du schrumpfst seit letztem Male ein!
Der neue Strich steht unter’m alten.
Dann müssen wir uns unterhalten.
Was das bedeutet: Unbestritten
hast du den Zenit überschritten.
Nun fährst Du talwärts. Füge dich.
Wirst nie und nimmer größer ich.

Und für die Dauer eines Nu
da herrscht beinah perfekte Ruh
Man könnt ein’ Hauch von Weinen hören
Doch das kann mich im Schlaf nicht stören.

Weißt Du noch, wie’s damals war?
Vor – gefühlt – rund 100 Jahr?
Als man, Hi Hallo, umarmt hat.
Zwischen uns, da passte kein Blatt.
Manchmal war das warm und schön.
Anderem wollt man entgehen.
Doch da gab es kein Erbarmen.
Handschlag war passé. Umarmen.

Mancher rückte Dir sehr schnelle
bei Treff Eins schon auf die Pelle.
Dann gab es die Angeschwitzten.
Dann die sozial Abgeblitzten,
die sehr lang im Clinch verblieben.
Andere, die hüfthoch knicken
Brust nach vorne. Und sie rieben
ihre Hände ab am Rücken.

Meine Liebe galt den Vollen
Warm, weich und geborgen
Nicht mehr aus den Armen wollen
Kein Telefon, kein Morgen.
Drahtige hingegen schon
hatten gleichfalls Kondition
doch ich fühlte mich, als hänge
an mir’n Rucksack voll Gestänge.

Nun. Vermiss ich alle doll.
Pack mich. Piek mich. Schwitz mich voll.
Liebstes Überangebot.
Ach, ich merk’s erst in der Not.
Treff ich heute wen, dann steht er,
muss so sein, Abstand zwei Meter
Heute passt ein Baum dazwischen.
Du und ich. An zwei paar Tischen.
Sehnsucht und Parole: Bald.
und die Arme wollen Halt
und es zieht mich zu den Meinen
Digital umarmt. Zum Weinen.

Wenn Corona alle ist
Werde ich zum Umarmist.
Sie wird – richt Dich schon mal ein –
länger als die damals sein.