Der angerostete Riesenofen neben der Bühne knarzt und bollert. Regen prasselt auf das Halbrund der Dachplane, und der Wind testet die Spanten. Die Batterie reicht also doch für das Licht bis über den Schlussapplaus. Zosch ist ein feiner Gastgeber, die Veranstalter vom Bezirksamt sind angenehm interessiert, und die Bühne hat eine Patina wie das liebstgewonnene Kleidungsstück.

Der stimmt, der Ort. Schön, ich komm wieder.

 

 

 

 

 

Je weniger Geld man hat, umso mehr wird es einem zum Thema. Die Taxameter unseres Umfelds sorgen dafür. Mit grabesschwerer Ernsthaftigkeit wird der Mangel angemahnt.

Vergleichbares widerfährt dem Jubilär jenseits der 70er. Je weniger Lebensdauer ihm statistisch bleibt, umso mehr wird er von den Gratulanten daran erinnert. Anders nun aber als beim Geld wird der Mangel hier – im Ritual des Hochlebenlassens  – zugleich erwähnt und verlacht, als handle man mit Freund Hein über den Humor ein Fristgeschenk aus: Auf die nächsten 80 Jahre, hahaha…dass Du wenigstens noch 20 gute Jahre …und wenn es nur 10 sind, Hauptsache, gesund und glücklich.

Selbst dem empathielosesten Stumpf nun leuchtet es ein, dass der Gratulant sich niemals am Tonfall des Rechnungsmahners orientieren sollte: „Wenn Sie binnen 14 Tagen Ihrer Sterbeverpflichtung nicht nachkommen, sehen wir uns gezwungen, Ihren Tod auf juristischem Wege einzuleiten.“

Andersherum vielmehr können Gläubiger freudiges Staunen in die Gesichter ihrer Adressaten zaubern, wenn sie von der trotzigen Zuversicht der Mangelgratulanten zu lernen bereit sind. Ein paar Anregungen für künftige Mahnschreiben: Jetzt haben Sie so lange nicht gezahlt – das schaffen Sie doch noch mal so lang. – Wir vergessen die Summe, damit Sie wenigstens noch 20 gute Jahre… – Hauptsache, gesund und glücklich. Dem eigentlichen Geschäft des Eintreibens mag Milde nun vordergründig abträglich sein. Doch wäre – um in Zungen zu sprechen, die Kaufleute verstehen – die eigene Bilanz nicht wertiger, stünde unter dem letzten Kassenbericht „Shangri La Vergebung“ statt „Moskau Inkasso“?

Zusammengefasst und auch im Sinne des Geburtstagkindes fasse ich zusammen:

Leben bis zum Tod. Tod als Abwesenheit von Angst. Vorher noch Kuchen.

 

Zu meiner nicht geringen Überraschung hat man mir am Hause meiner ersten eigenen Wohnung in der Turmstr. 1 eine Gedenktafel angebracht. Dass mein Name bewusst ausgespart wurde, spielt bereits gekonnt mit meiner natürlichen Bescheidenheit. Den Text spricht denn Bände von mir:

Danke. Ich bin gerührt oder geschüttelt.

Alte schlesischinesische Weisheit:

Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt. Vergiss über den Stolz, das Gesäß in die Bewegung beschleunigt zu haben, aber niemals die Orientierungsrast vor dem letzten: Trittst Du a) ein ins Glück à la Mekong oder b) in die Scheiße süß-sauer?

Mancherorts hat es Menschen, die dafür sorgen, dass die Welt um genau diesen Ort schöner wird. Mein Lieblingstheaterchen ist Teil eines solchen Ortes. Den nachbarlichen Friedhof mit seinem wunderfeinen Cafè und dem Garten der Sternenkinder schließe ich in meine Betrachtung ein. Hier kulturallalallt, lebt und also auch stirbt es sich angemessen. Weil es Initiatoren jedweden Geschlechts und aller Couleur gibt, die über humanistisches Miteinander wachen, die sich mühen, dem wurschtigen Stadtklops persönlichen Raum einzumassieren und die sich in diesem Moment und auch sonst dem größten Feind des virilen Götterfunkens stellen: der alltäglichen Verwaltung.

In diesem Sinne grüße ich zwei meiner Lieblingsmenschen: Geknutschet seiet Ihr, Sabine und Bernd.