Zeha Schmidtke | Das Humorzentrum
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Lob des Unterschieds.

Ein Moslem, eine Jüdin, eine Christ streiten sich: Wie war das damals mit der Erschaffung der Welt? Welche Funktion haben Engel? Wie ist Jesus geboren, der im Koran Isa ben Maryam heißt? Oder auch: warum hat Mohammed nicht seine Frau Khadija, sondern diese ihn geheiratet?

Temperamentvoll versucht jeder der Spieler die Anderen von der Richtigkeit der jeweils eigenen heiligen Schrift zu überzeugen. (…)

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Wenn die große Bühne in der Welt versagt, dann retten uns die kleinen Bühnen.

Für wahre Verständigung braucht es gar nicht viel. In diesem Fall ein paar Stellwände und vier engagierte Künstler(-in) – eine Jüdin, ein Moslem, ein Christ und ein humanistischer Atheist – die einander mögen und ihre Kultur miteinander teilen möchten.

Zusammen erzählen sie eine große Erzählung. Es ist die Geschichte einer Menschheitsfamilie. Schon bald spüren wir im Publikum: das ist ja unsere Geschichte! Und schon sind wir mittendrin und hören die Geschichte von verschiedenen Seiten. Es ist so wie in einer richtigen Familie, wenn sie zusammen kommen und die Familiengeschichte erzählen. (…)

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Lieber Mitmensch,
wenn Du etwas regelmäßig tust: Wie merkst Du, ob Du es noch gern machst? Oder wir nurmehr einem Ablauf folgen, den uns der Alltag, die fette Maschine, ins zentralnervöse Programm geimpft hat? 
Pausieren, jaja. Aber wie lange? Wie lang ist der Impuls, es doch wieder tun zu wollen, bloß ein Echo der Routine, mit der ich es so lange Zeit tat? Und wie lange vermisse ich etwas nur deswegen noch nicht, weil ich noch von der Erinnerung zehre?
Nicht, dass Du jetzt eine Antwort von mir erwartest. Manchmal schreibe ich auch Fragen auf, damit Du sie bescheidest. Unser Schriftverkehr fließt durch keine Einbahnstraße, mon petit sembable.  
Ich kann nur staunend von dem künden, was ich in der Entsagung erlebte (á la Lysistrata, aber ohne ohne Sex): Da war erstens der lange Weg. Ich frug mich, ob ich sie vermissen würde, die Bühne. Also ging ich ab und anderthalb Jahre nicht mehr auf. Dann schmurgelte zweitens mein Laptop ab. Ich war von einem nicht mehr bootenden Moment auf den immer noch nicht bootenden anderen ohne funktionierendes Arbeitsgerät. Die Reparatur zog sich über einen Monat. 
Und während ich die lange Bühnenabstinenz erst nicht merkte, später erleichtert zu sein glaubte, bis ich im Winter mit der Zunge an einem eisernen Theatertor hängenblieb, weil ich einfach an ihm lecken musste, nahm es mit dem kurzgeschlossenen Laptop den umgekehrten Weg: Ich vermisste ihn erst ganz arg, dann immer weniger, und endlich las ich wieder ein gutes, dickes Buch. Dass ich dem Reparateur auf den Schädel schlug, als er mir sagte: Noch zwei Wochen.   
Was ich nun wieder weiß: Das Drumherum, die Akquise, das Gedöns, kann mich mal gernhaben. Die Bühne liebe ich. Sie mich auch, sagt sie. Komm Du bitte dazu. Ohne Dich ist es keine erfüllte Beziehung. Theater ist nunmal polyamor.
Fr, 09.02.18, 19.30 Uhr: Theater O-TonArt, Kulmer Str. 20A, 10783 Berlin. Karten unter 030 – 37 44 78 12.
Do, 29.03.18, 20.00 Uhr: Theater 509 im Stollwerck, Drekönigenstr. 23, 50678 Köln. Karten hier.
Dein  
Zeha Schmidtke, in neualter Liebe wieder in der Welt